Unter Tage Marathon in Sondershausen 2011

von Mario Fischer

Ich glaube Conny ist schuld - naja Gerhard hat sicher auch sein Übrigens dazu gesagt, aber letztendlich ist es Connys Schuld, daß ich mich diesem Unterfangen ausgesetzt habe. Sie behauptete im Brustton der Überzeugung "Sie werde das laufen". Und wenn das so ein Fräullein schaffen sollte, dann kann ich das ja wohl schon 3x...

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Nun zwei Dinge haben sich danach geändert. Ich bin davon überzeugt, dass Conny das laufen wird und habe die Erkenntnis gewonnen, dass vielleicht 3x etwas hoch gegriffen war ;-).

Eigentlich hatte ich ja schon gekniffen - der Lauf war "leider" schon ausgebucht - denn trotz der ihm nachgesagten Härte sind die 400 Startplätze schnell vergriffen. Sonja, meine Holde, weiß auch meine großen Töne zu schätzen, und hatte mich kurzer Hand erfolgreich auf die Warteliste gesetzt und mir dann den Lauf zum Geburtstag geschenkt - Hurra... Jetzt gibt's kein zurück.

Der Morgen an diesem 3. Dezember begann am Brückman Schacht in Sondershausen leicht bewölkt und windig, gemeldet war eine spätere Eintrübung und Regen, eigentlich einfach nur ätzend. Der Förderturm respektive Fahrstuhl ist eindrucksvoll blau beleuchtet und hebt sich, für mich irgendwie hoffnungsvoll, vom frühen Morgenhimmel ab. Nebenan werden die Startunterlagen und Timing Chips ausgegeben. Sonja erwirbt eine Eintrittskarte und die Lizenz zum fotografieren für 15,50 und bekommt dazu den obligatorischen gelben Bauhelm. Nun, die dort inbegriffenen 2,50€ zum Fotografieren darf man sich auch sicherlich schenken, wenn man allein mit einer Handy-Kamera bewaffnet in den Stollen geht. Dort ist es meist schlichtweg zu dunkel, um halbwegs schöne Bilder zu schießen.

Im Förderturmgehäuse kommen wir Läufer und die paar Begleiter uns erst mal näher, anfängliches nerviges Gedrängel weicht relativ schnell einer gelösten Atmosphäre. es wird viel fotografiert, in den Arm genommen und über einschlägige Bergmanns-Witze gelacht.

Ab 7:30 Gebimmel und der erste 2-stöckige Fahrstuhl wird für seinen 700m tiefen Weg beladen. Es sind je zwei kleine Kabinen, in die vielleicht je 15 Personen eingepfercht werden. Man spürt die Anspannung und ich sehe vor meinem inneren Auge ein verdammt tiefes schwarzes Loch unter dem Boden meiner Kabine. Vorhänge zu - die 4 Minuten Fahrt beginnt. Überraschend schnell und ruhig fahren wir ein, aber es wird kaum gesprochen, eine Kopflampe und ein Fotoblitz durchbrechen die Dunkelheit in der ansonsten kaum beleuchteten Kabine. Sonja erzählt von dem Geburtstagsgeschenk und wird mit "Das muss ja wahre Liebe sein" kommentiert. Ich würde gerne dazu lächeln.

Unten werden wir von einem hellbeleuchteten Saal-artigen Start-Zielbereich empfangen, weiß-graue Salzwände, mit der durch Werkzeuge über Jahrzehnte oder Jahrhunderte eingemeißelten Textur, bilden einen langen Tunnel mit den Ausmaßen von etwa 10 x 8m, einige Läufer wie bunte Tupfer wuseln mit den Augen schweifend zwischen den Helfern und den Bergmanns-Leuten in weißem Overall und gelben Bauhelm umher. Uns geht es nicht anders. Aber es ist eigentlich kühl. Hieß es nicht hier unten wäre es bis 30°C warm?

Wir gehen den Läufergruppen nach und kommen in den Versorgungsbereich, dort ist auch der bekannte Konzertsaal ausgeschildert, leider aber verdunkelt und abgesperrt. Man merkt, dass es hier nicht mehr so zugig ist und auch deutlich wärmer wird. Ich lege testweise eine Hand auf die Wand, ok keine Fassade, kein Putz, aber wärmer als die Luft. Der Stollen ist echt! Über mir türmen sich 700m Gestein auf - ein seltsames Gefühl. Bin ich aufgeregt, fragt mich Sonja. Nun, freudig angespannt mit einer gehörigen Portion Respekt würde ich behaupten. Schließlich hört man viel über diesen Lauf und ich stecke immer noch in der Nachbereitung des erst gut einen Monat zurück liegenden Frankfurt-Marathons.

Die Bergmanns-Kapelle "Glück auf" fehlt und spielt nach Aussage eines anderen Läufers auf einem schnöden Weihnachtsmarkt. So wie ich das verstand, ist die Kapelle eigentlich Teil dieses besonderen Gesamtpaketes. Nun gut, so beglückt uns Roland Kaiser & Co aus Lautsprechern... auch ein Grund schneller zu laufen. Es gibt hier deutlich weniger Frauen am Start - die meisten davon sind am Ende schneller als ich - so bleibt zu erwähnen, daß ungewöhnlicherweise bloß vor der Herrentoilette eine Schlange ansteht, um das letzte Quäntchen aus ihrer Vorbereitungsform heraus zu pressen. Endlich stehen wir im Startblock - die Durchgeknallten dürfen hier dazu stehen, man ist ja unter sich und so tragen einige Verkleidungen, Nikolausmützen über den Helm gepresst, Neonbänder, blinkende Leucht-Smileys, Dreadlocks, Kabelbinder-Büschel ragen aus Helmen und ich sehe ein Paar Engelsflügel und Teufelshörnchen. Naja, man ist ja unter sich :-) Jetzt bin ich mir sicher, daß es gut und richtig war hier her zu kommen und ich freue mich auf den Startschuß, der nun fällt.

Nach hinten orientiert sehe ich, wie das Feld, fast wie gewohnt losprescht und ich denke mir lächelnd meinen Teil.

Auf den ersten paar hundert Metern bis in den ersten Anstieg hinein stellen einzelne Läufer fest, es ist glatt - Es ist teilweise richtig glatt. Das polierte Salz und der darauf ruhende feine Salzstaub lassen die Strecke in den steileren Passagen fast wie Pulverschnee auf gefrorenem Untergrund erscheinen. Es glitzert sogar ab und zu wie Eis! Es werden Witze gemacht "Vorsicht, es ist glatt, hier wird nicht gestreut". Was sich die ersten hunderte Meter als Steigung erwies, manifestiert sich zusehens zu einem richtig fiesen langen Berg. Zum Glück wird es mit jedem Höhenmeter wärmer und die Füße scharren im Salz und suchen oft vergeblich Halt.

Der erste "Gipfel" wird nach gut einem Kilometer der 5,3 km-Runde erreicht. In meinem Bereich läuft niemand mehr und niemand macht mehr Witze. Wir haben jetzt deutlich über 25°C und laufen in eine lang gezogene Senke mit einem apokalyptischen Flair. Rechts der Strecke reiht sich eine Kolonne abgewrackter Nutzfahrzeuge aller Herren Länder aneinander und harrt unter einer zentimeterdicken Salz-Staubschicht der Jahrhunderte die da noch kommen.

Aber das lenkt nicht wirklich von meinen Eisen-Waden ab... Hilfe, ich habe noch 41km vor mir und mein Körper schlägt Alarm!

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