Brüder Grimm Lauf 2012

von Sonja Puggé

Der Tag der Entscheidung ...

Es war einmal…. ein trüber Sonntagmorgen im Oktober zu unchristlicher Zeit, als sich das "Team Hollese" (Julia und Marco Alberti, Heike und Ulf Wolfsgruber, Conny Hamm und die Gastläufer aus Schweigese Mario Fischer und ich) zu einem gemütlichen langen Lauf einfanden. Es herrschte Aufregung unter den echten Lauf-Cracks der Truppe, denn das Online-Anmeldeportal für den Brüder-Grimm-Lauf 2012 sollte bald geöffnet werden. "Da muss man sich direkt anmelden, die Plätze sind ruckzuck weg", das war der Satz des Morgens!

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Meine Begeisterung für eine solche Tortur hielt sich in Grenzen. "Wenn Du hier die Strecken laufen kannst dann schaffst Du auch den Grimm-Lauf!" Hah, Julia hat leicht reden. Wenn einem das Bergziegengenom einer Nacktschnecke innewohnt ist es vielleicht doch eher ein gewagtes Unterfangen! "Ach was, Du machst da auch mit, Du kannst das!" Hmmh, es hörte sich ja auch eigentlich sehr vielversprechend und spannend an. Das Portal wurde wenige Tage später eröffnet und ich klickerte mich durch die Seiten. So schnell konnte ich gar nicht gucken wie ich mich plötzlich angemeldet hatte…………. Mario lachte! Mensch, was hatte der einen Spaß! " Da hast Du ja mal echt 'nen Bock geschossen!" Auch meine Freundin Andrea ("Gürkchen") war zuerst der festen Überzeugung, ich würde nur von einer einzelnen Etappe sprechen. "Ach Du Sch...." war ihre Reaktion. Danke, genau das wollte ich hören!

Vom Winterhalbjahr 2011/2012 ...

Tja, so hatte ich mich also ganz euphorisch zu diesem Laufereignis angemeldet. Ungefähr 2 Wochen nach der Registrierung hatte ich aber  urplötzlich eine Erkenntnis, und zwar genau in dieser Reihenfolge: Bin ich eigentlich noch ganz dicht?!? 82 km! Das sind ja 2 Marathon an einem Wochenende! An zwei Tagen allein Laufstrecken von jeweils rund 35 km, dazu teils fieses Profil. Das hab' ich ja toll hin gekriegt! Mario hat sich gekrümmt vor Lachen...

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich gerade in der Phase des sanften Hinübergleitens in meine obligatorische Sport-Winterruhe. Diese wurde mit meiner Erkenntnis jäh unterbrochen. Fortan wurde also fleißig trainiert. Sogar im Fitness-Studio habe ich mich angemeldet. Okay, das hatte ich schon seit Jahren vor, aber nun gab es einen triftigen Grund. "Mein" Personal-Trainer, der den BGL in jungen Jahren selbst schon bestritt, hat mir auch prompt nicht vorhandenes Talent für dieses Vorhaben bescheinigt. Und zwar, nachdem er mir mal die verschiedenen Einstellmöglichkeiten bezüglich Steigung und Geschwindigkeit des Laufbandes präsentiert hatte und ich mit meinem Japsen und Hecheln das ganze Studio unterhalten habe. Danke...



Vom Frühjahr 2012 ...

Unerschrocken wurde weiter trainiert. Das Laufband wurde zwar nicht mein Freund, aber wir haben uns im Laufe der Zeit miteinander arrangiert. Ich lass' mich doch nicht klein kriegen! Klein gekriegt hätte mich dafür fast die Erkältung, die mich heimtückisch rund 3 Wochen vor dem Startschuss richtig gebügelt hat. Genau in der Phase, die ich für ein intensives Abschlusstraining nutzen wollte. Da ging dann gerade mal gar nichts mehr. Och nö …

Von der Anreise …

Gott sei Dank ist es ja nicht so, dass ich allein dumme Ideen habe. Da ist zum Beispiel Tatjana: Unsere Tatjana hat schon beim Frankfurt-Marathon 2011 den Satz "Weniger ist manchmal mehr" in gänzlich neuem Lichte erscheinen lassen.   Auch für den BGL hat sie eher eine Vorbereitung "light" gehabt. Während der Anreise nach Hanau berichtete sie Mario und mir, dass sie im Februar einen HM in Fürth und einige Tage zuvor einen Lauf über rund 26 km absolviert hätte. Ansonsten würde sie drei mal wöchentlich 10 km laufen. Sie erfuhr dann auch während der Fahrt, worauf sie sich eigentlich eingelassen hatte …

In Hanau, dem Startort unserer 2,5-tägigen Folter, trafen wir auf die anderen Starter des RT. Manfred, Birgit, Melanie, Conny, Julia, Elvira, Maik, Heike und Ursula hatten sich bereits eingefunden. Und die wichtigste Frage vor dem Start lautete: Warum haben wir eigentlich nicht alle die selben T-Shirts an.........?

Von der ersten Nacht …

Nach rund 16 flachen Kilometern sind wir an unserem ersten Ziel eingetroffen, der Bulauhalle in Niederrodenbach. Die Etappe bestach nicht gerade durch eine wunderschöne Landschaft, sondern führte oft an Schnellstraßen vorbei. Aber um die erste Nervosität loszuwerden war sie gerade richtig. Hunger hatte ich bis unter die Arme und in der Folge Magenkrämpfe. Aber keiner der Streckenposten konnte mir das Schnitzel reichen, nach dem mir so gelüstete. "Komm Mädsche, mach Disch ab." So die meist mit einem Grinsen begleitete Reaktion auf meinen immer wieder aufs Neue vorgetragenen Wunsch. Endlich, das Ziel, was zu essen! Aber leider waren dort die Bananen aus, und so musste ich bis zum Abendessen weiter darben.
Bis auf Ursula haben wir uns alle für die Pension "Sporthalle" entschieden.
Hotel geht natürlich auch, ist aber doch wirklich langweilig, wenn man schnarchende Mitläufer und sich nicht auflösen wollende Schlangen vor den Toiletten - übrigens mit beeindruckender Geräuschkulisse - haben kann.

So suchten wir nach dem Zieleinlauf unsere Sachen zusammen, die mittels Kleintransporter von Hanau hergebracht wurden, und schlugen unser Vereinslager auf. An dieser Stelle darf Tatjanas knatschepinke Luftmatratze einfach nicht unerwähnt bleiben, die sie ohne weitere Hilfsmittel aufblasen wollte. Maiks Hinweis, bis sie fertig wäre hätte er schon lange fertig geduscht, wurde mit einem "ich kann gut blasen" quittiert... Apropos duschen: Hier wäre beinahe schon der erste Ausfall zu beklagen gewesen. Beim schwungvollen Betreten der Gemeinschaftsdusche wäre ich beinahe auf den nassen Fliesen ausgerutscht. Mann, das hätte ein peinlicher Auftritt werden können!!! Die Nacht war übrigens etwas unruhig. Maik hatte besonders gelitten. Nicht nur, dass seine Ohropax schlecht saßen, durch Melanies Grunzen träumte Maik in der Nacht sogar von kleinen Ferkelchen …



Vom nächsten Morgen …

Der Samstag sollte mit einer ca. 14 km langen Einheit von Niederrodenbach nach Neuenhaßlau beginnen. Und leider gab es dann doch den ersten Verlust: Ursula Mogg hatte im Hotel eine Begegnung der besonderen Art mit einem Türpfosten. Die dadurch entstandene Platzwunde an der Augenbraue musste im Krankenhaus versorgt werden, und das medizinische Fachpersonal riet ihr von einer Fortsetzung des Etappenlaufes ab. Ich gebe es nicht gerne zu, aber ein bisschen habe ich sie ja doch beneidet…
Auch der nächste Ausfall sollte nicht lange auf sich warten lassen. Marios Knie muckte. War etwa die Rindswurst daran schuld, die er mittags zur Nudelsuppe aß? Medizinisch durchaus nicht unbeleckt diagnostizierte Birgit ihm kurz und knapp eine "Rindswurstallergie"!

Vom Samstagabend …

Nach der 3. Etappe von Neuenhaßlau nach Gelnhausen freuten wir uns auf die Pasta-Party in Gelnhausens Stadthalle. Eine Tombola sollte auch stattfinden. Hach, ich liebe Tombolas, man kann immer so 'nen tollen Nippes und Tinnef gewinnen! Mario hoffte auf den Freistart fürs kommende Jahr, ahnte aber, dass dieser Preis im besten Fall entweder an Tatjana oder mich gehen würde. Tatsächlich sahnte das RT mal so richtig ab: Uschi Wagner - sie würde bei den letzten beiden Etappen starten und war mittlerweile am Ort des Geschehens eingetroffen - holte sich als erste einen Gutschein von Runners Point ab. Los für Los wurde gezogen, aber die Freistarts bekamen immer die anderen. Dann - Juchu! - war es endlich soweit: Marios Nummer wurde gezogen. Er ist jetzt stolzer Besitzer einer Deckenlampe. Heike übrigens auch. Man kann sagen, das RT hat jetzt die Erleuchtung. Melanie hat ein Portemonnaie oder Schreibset (?) gewonnen und ich darf derweil eine Elektro-Sense mein eigen nennen ;-). Klasse, ungefähr eine Woche zuvor hätte ich mir so ein Ding beinahe gekauft. So muss das doch sein!!! Ein Problem gab's dann aber doch: Wie sollte das sperrige Teil transportiert werden? Unser Auto stand schließlich auf dem Sportplatz in Niederrodenbach…
Abhilfe konnte geleistet werden. Unsere Gewinne landeten vorerst bei Uschi Wagner im Auto. Und sofern Sonntag früh ein Start für Ursula und Mario nach wie vor nicht möglich sein sollte, würden die beiden mit Uschi Wagners schnuckeligem Cabrio unseren "Lkw" in Niederrodenbach abholen.

Der Sonntagmorgen

Angst! Die 4. Etappe. Ehrfurchtsvoll wird sie "Frau Hölle" genannt. Bei mittlerweile 46 absolvierten Kilometern ein fieses Ding mit moderatem Anstieg direkt von Beginn an. Zwischen km 10,5 und 11,5 wird es dann aber so richtig knackig. Danach ist das Gröbste geschafft, wenn man mal die verbleibenden 5,5 km außer acht lässt. Wächtersbach ist erreicht und ich finde Mario im Zielbereich etwas zerknirscht vor. Ursula und er waren tatsächlich in Niederrodenbach, um unser Auto abzuholen. Pech nur, dass sich das Auto ohne Schlüssel keinen Meter bewegen lässt. Der war nämlich in Marios Rucksack geblieben und befand sich gerade auf dem Weg von Gelnhausen nach Wächtersbach ….

Das Ende in Sicht …

Nudelsuppe und Rindswurst, für die Isotone alkoholfreies Weizenbier (ich kann es nicht mehr sehen) - so stärkten wir uns für die letzte Etappe. Mittlerweile ist unser Trupp mit dem Bus von Wächtersbach nach Bad Orb chauffiert worden. Kurz nach dem Start ist auf der 18 km langen Schlussetappe über eine Strecke von 1,3 km ein Anstieg  mit einer Höhendifferenz von 115 m, danach folgt ein Gefälle von 200 m auf 2 km verteilt. Da fliegen die Beinchen! Das machen die Organisatoren des Laufs bestimmt extra, um die Läufer nochmal so richtig zu triezen. Danach wird's öde: plattes, freies Feld. Die letzten Kilometer über den Radweg fallen schwer. Es gibt keine markanten Punkte, die Spannung verliert sich, man läuft einfach so vor sich her. Jetzt wird es aber wirklich langsam Zeit, dass wir in Steinau ankommen. Endlich, DA ist das Ziel! Nur noch wenige Meter entfernt. Die Frau, die mich die letzten paar hundert Meter gezogen hat, versucht, mich vom Gehen abzuhalten. Setz Dir Punkte! Erst bis zur überdimensionalen Reklame-Erdbeere... dann bis zur Stadtmauer... dann - nä, oder?! Die letzen 150 m gehen wirklich nochmal bergauf. Ich hasse laufen, boah ist das toll! Die Widersprüchlichkeit der Empfindungen...
Wie bei den Etappen zuvor warten die anderen Läufer des RT im Zielbereich. Von zu Hause hat sich sogar ein kleiner "Fan-Club" auf den Weg nach Steinau gemacht, um uns Helden die Ehre zu geben. Das Ziel, es ist erreicht. Knapp 82 km liegen hinter uns, hinter mir. Ja, ich habs tatsächlich gemacht: 82 km in 5 Etappen, morgens und nachmittags laufen, 2 Marathon an einem Wochenende und rund 35 km pro Tag!

Die Nachlese

Es war toll! Auf dem Weg zur Dusche war ich doch sehr gerührt, und so stand mir ein bisschen das Wasser in den Augen. Das hat sich bis zum darauf folgenden Dienstag auch nicht geändert, wenn auch aus anderen Gründen: Der blaue Zeh mit dem Zehennagel, von dem ich mich wohl bald verabschieden muss; die im Werden befindliche Blutblase unter dem Ballen (klingt zum Zeitpunkt des Berichtschreibens wieder ab); der zweite blau verfärbte Zeh; die Fußgelenke, die mittlerweile den Umfang meiner Waden erreicht haben, so sehr sind sie angeschwollen…. Ganz zu schweigen von dem Gefühl, von einem Omnibus überrollt worden zu sein.
Ich weiß nicht, ob ich nächstes Jahr wieder dabei bin. Gerne würde ich "es" (den Lauf, die Empfindungen während des Laufes, das lustige Miteinander, das Wir-Gefühl - was auch immer) wiederholen, aber es gibt Dinge, die lassen sich nicht wiederholen. Aber wenn ich mich doch wieder zu einem Start hinreißen lasse, steht eins fest: wir brauchen für 5 Etappen dringend einheitliche Shirts!


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