Marathon Paris 2012

von Melanie Fölbach

"Hey, wir fahren nächstes Jahr mit dem Running Team nach Paris zum Marathon!"
"Echt?!? Ja cool! Aber ich lauf nur halb!"

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"Vergiss es!! Geht auch nicht! Ganz oder gar nicht, wobei für dich 'gar nicht' keine Option ist!"


Pff, ja toll! Danke Maik! Meine Entscheidung zum ersten Marathon wurde mir also so ziemlich aus der Hand genommen. Wobei, ich muss sagen, bisschen reizen tun mich die 42,195 km ja schon! Also gut, so sei es, im Herbst war die Anmeldung raus.Verdammt! Jetzt ist es also offiziell! Meine erste Volldistanz.

Im Januar ging es dann auch schon mit dem Training los. Aus dem, über die Wintermonate, sonst einmal die Woche laufen, wurden 2 bis 3 Läufe pro Woche. Mama, Papa, Maik und ich trotzten dabei jedem Wetter und den härtesten Minusgraden. Verschärft wurde das Training ab Ende Februar, als die Läufe am Wochenende allmählich länger wurden. 20 km, 26 km, 29 km, und zu guter Letzt auf der Klosterrunde die 32 km. Verdammt nochmal!!! Wenn ich mit so einer Laune in Paris laufen muss, schmeiß ich alles hin! Ich hör sofort auf! Vielleicht sollte ich gar nicht erst an den Start gehen?! Bei den Läufen über 30 km wurden die Tunnel, in die ich kam, immer dunkler und länger! Boa war ich motzig! Ich könnte heulen! Ich will nicht mehr! Ich hab keine Lust auch nur einen Schritt mehr zu machen! Auch die total aufmunternden Worte von Maik: "Guck mal, gleich sind wir doch schon da! Und dann wäre es in Paris ja nur noch ein lockerer 10er hinten dran! :"  Boa, ich flipp aus!!!! Noch ein Wort! Halt den … ! Toll! Na das kann ja heiter werden. Wie soll ich das in 3 Wochen in Paris schaffen??? Ein bisschen Aufschwung hat mir der letzte lange Lauf gegeben. Ich hatte auf der gesamten Strecke gute Laune und relativ lockere Beine. Mh, das Training scheint sich bezahlt zu machen. Kann also los gehen…




Am 13.4. war es dann auch soweit. Treffpunkt war um 6:15 Uhr am Stadion Silberau. Die Koffer und Taschen wurden verladen und Wolfgang konnte pünktlich in Richtung Paris starten. Nach mehreren Pausen mit vielen kulinarischen Leckereien, (ein großes Danke an Renate und Egon!), kamen wir nachmittags in unserem Hotel an. Gut, zum Glück sind wir alle Sportler und entsprechend schlank, so das wir irgendwie in den gefühlten 3qm großen Zimmern klar kamen. Eine kleine Herausforderung hat allerdings das Bad gestellt. Sich hier einmal um die eigene Achse zu drehen, ohne sich Knie und Ellenbogen anzuhauen, war ein Kunststück. Egal, Tasche abstellen und auf zur Marathonmesse. Startunterlagen abholen, bummeln, stöbern, schwärmen von neuen Laufschuhen und schonmal bisschen Marathonluft schnappen. Ich freu mich!


Am nächsten Morgen treffen wir uns, nach ausgiebigem Frühstück, um 11 Uhr zur Stadtrundfahrt. Unsere Reiseleiterin verzaubert uns mit Geschichten von Paris und führt uns zu den wundervollsten Sehenswürdigkeiten. Vorbei geht es an Notre Dame, dem Louvre, dem Pantheon, Hotel de Ville, an der Oper bis zum Invalidendom. Hier ist die erste Rast und wieder werden wir bestens versorgt mit Kuchen, Frikadellen, Würstchen, Brötchen und, und, und. Ähm Moment, Mario??? Wo kommst du denn auf einmal her? (Mario war morgens wohl etwas unpässlich :). Wie hast du uns mitten in Paris gefunden? Ich hab's noch nicht ermitteln können…Unsere Tour führt uns weiter über den Champs-Elysées zum Triumphbogen. Uuuuuh, da ist die blaue Linie!! Mein Magen krampft kurz zusammen! Oh weih, morgen laufen wir hier. Durchatmen und freuen. Ich kann es jetzt wirklich kaum erwarten! Der nächste Stop ist am Eifelturm, wo wir wieder Gelegenheit zum genießen und fotografieren haben. Unsere Rundfahrt endet am Ufer der Saine, wo wir vom Bus ins Schiff umsteigen und über die Saine schippern. Danach hat jeder Gelegenheit den Rest des Tages auf eigenen Wunsch zu gestalten. Wir (Doris, Thomas, Sandra, Joy, Maik, Mama, Papa und ich) entscheiden uns den Eifelturm hautnah zu erleben und uns danach auf den Weg nach Montparnasse zu machen. Vom das Dach des Wolkenkratzers Tour Montparnasse haben wir einen traumhaften Blick über die gesamte Stadt! Atemberaubend! Zu guter letzt führt uns unser Weg zur Basilika Sacré-Coeur. Auch von hier aus ist der Ausblick nicht zu verachten, genau wie auch das innere der Basilika! Ein Traum! Jetzt noch ein klitzekleiner Gewaltmarsch zurück in Richtung Hotel! Verdammt! Wir müssen doch morgen 42 km laufen! Die Beine fühlen sich schwer an. Kohlenhydrate müssen her! Also ab, Nudeln essen. Dann aber schnell ins Bett! Morgen ist der große Tag!

Wie zu erwarten war, hab ich nicht sooo gut geschlafen. Egal, muss so gehen. Jürgen sagt ja immer Schlafmangel macht leistungsstark. Wollen wir es mal hoffen. Am Frühstückstisch treffen wir uns um 6 Uhr. Jeder hat hier so seine Eigenarten was das Essen vor einem Rennen angeht. Ein bisschen abgefahren fand ich aber den Teelöffel Salz der mit einem großen Schluck Wasser runter gespült wird!


So, ab jetzt! Hab ich alles?? Startnummer, Trinkgurt, Gel, Müsliriegel, Wasser, Iso, Salztablette, Traubenzucker, Klamotten und Schuhe sind an. Check! Kann los gehen. In der unfassbar überfüllten Metro war man bemüht, an einem Stück und ohne Blessuren wieder raus zu kommen. Klar, es müssen ja irgendwie die 40.000 Läufer zum Start kommen. Am Triumphbogen angekommen noch ein kleiner Marsch zu der Kleiderabgabe, wodurch wir uns dann das warm laufen sparen konnten. Scheiße, ist das kalt!!! Die alte Sweatshirt Jacke und die Plastiktüte von der Messe helfen da auch nicht viel.
Trotzdem ist die Stimmung super und ich völlig entspannt. So eine innere Ruhe hatte ich wirklich nicht erwartet. Schön! Weniger entspannt war Maik, als er einen kurzen Blick in ein Dixi erhaschen konnte! Herrlich! Wahnsinn wie schnell ein Mensch die Gesichtsfarbe wechseln kann! Ok, war echt eklig! Aber so richtig!!!!
 Der Startschuss fällt, doch bis wir über die Startlinie kommen dauert es noch gut 45 Minuten. Cooooool jetzt geht es los! Uhr an und ab! Wir können von Anfang an frei und locker laufen. Ich hab meine Digi-Cam mitgenommen um meinen körperlichen Verfall zu dokumentieren und ein paar Schnappschüsse zu machen. Die gestern gesehene blaue Linie liegt schnell hinter uns. Kalt ist mir immer noch! Km 5, die ersten Bilder sind im Kasten, die Stimmung ist super und ich fühle mich total gut. Mittlerweile ist mir tatsächlich warm geworden und ich entledige mich meiner Jacke. Die Getränkestände werden alle angelaufen. Durst hab ich keinen. Trotzdem trinken. Km 10, wir laufen ins Grüne, raus aus der Innenstadt. Schön ist es hier. Die Sache mit den Fotos ist allerdings nicht ganz einfach. Wir sind alle schwer verwackelt. Meine Eltern, Maik und ich laufen locker, flockig und bester Laune zusammen.


 


Km 15 und die Laune ist immer noch super! Es wird viel gelacht und geknipst. Auch als wir die Halbmarathonmarke passieren. Schön, ich freue mich, dass es mir immer noch so gut geht, keine Schmerzen, kein Ziehen und Zwicken. So kann es weiter gehen. Wir sind ja jetzt schon quasi auf dem Heimweg. Ein schöner Gedanke! Viele Musikgruppen säumen die Strecke und pushen mich. Maik muss mich ständig bremsen. An den Getränkeständen wird es mittlerweile sehr rutschig. Wasser und die zertretenen Bananen- und Orangenschalen machen die Strecke spielglatt. Bloß nicht fallen! Wir laufen an Notre Dame vorbei und weiter am Ufer der Saine. Hier feuern uns Joy, Sandra und Doris an. Fies ist dann der stickige Tunnel durch den wir müssen. Apropos Tunnel. Mein persönlicher Tunnel ist bisher noch nicht in Sicht. Perfekt! Nächstes Highlight ist der Eifelturm! Ich will unbedingt ein Foto von mir, wenn ich am Eifelturm vorbei jogge. Und ehe wir uns versehen ist die 30 km Marke passiert. Wow, das ging doch jetzt ganz gut. Ich war aber auch prima abgelenkt. Es gibt hier so viel zu sehen. Und die Zuschauer helfen ungemein. Ich hab zwischendurch das Gefühl gehabt meinen eigenen Fanclub zu haben. "Alé, alé Melanie!" aus allen Richtungen. Km 33 und ich fange an rückwärts zu zählen. Noch 9 km…Ach, sagen wir mal noch 7 km, dann ist die 40 passiert.


Die letzten 2 km laufen doch dann von selbst! Hoffe ich! Aber je näher wir dem Ziel kommen, desto mehr Läufer dehnen sich, haben Krämpfe und müssen gehen oder stehen bleiben. Oh Gott, bitte verschone mich! Ich will nicht stehen bleiben. Weiter laufen, weiter, weiter, weiter. Km 35, verdammt! Ich bin mir sicher die haben die letzten Km-Schilder weiter auseinander gesetzt. Wie kann ein einziger Kilometer so verdammt weit sein!? Trinken und noch ein Gel. Maik kümmert sich die komplette Strecke über rührend um mich. Ich werde bestens mit allem versorgt und darf das Gedränge an den Ständen großzügig umlaufen. Hier gibt es Rosinen. Rosinen?? "Jetzt iss!".  "Ja ist ja gut." Km 37 und ich hab nicht mehr sooo viel Bock. Papa ist auch nicht mehr bei uns und hat sich etwas zurückfallen lassen. Mama ist noch da, ist aber eher wortkarg. Bei Km 38 wollen Maik und ich es dann nochmal wissen und trällern lauthals 'Zombie' mit, was die Band gerade spielt. Unfassbar! Ist das der Anfang vom Tunnel?? Dreh ich jetzt durch? Ein letztes Aufbäumen? Nicht dran denken, lächeln, fröhlich bleiben, weiter laufen. Km 39 und meine Beine tun jetzt echt weh! Ich mache mir Mut, es sind doch nur noch 3 km. In einem Kilometer passiere ich die magische 40. Ich will es jetzt schaffen und zu Ende bringen. Ich bin so stolz auf mich! Und dann ist sie da, die 40 km Marke!! Ich hab nen kleinen Kloß im Hals! Könnte weinen, zum Einen, weil mir die Beine so weh tun und weil ich es bald geschafft habe. Lauf, lauf, lauf! Km 41 und ich bin weiß wie ne Wand. Ja ok, ich habe mich schon besser gefühlt als in diesem Moment, aber so schlecht auch wieder nicht. Weiter laufen! Ich werde nicht stehen bleiben. Auf keinen Fall! Ich bin jetzt so weit gekommen! Kurz drauf merke ich selbst wie ich schneller werde und werde jedesmal wieder zurück gepfiffen. Aber ich fühle mich doch wieder besser und kann das Tempo laufen. Ich will jetzt endlich den beschissenen Triumphbogen sehen und das Ziel und ankommen und endlich stehen bleiben. Km 42… Oh - mein - Gott…da vorne ist das Ziel! Ich hab es geschafft! Ich habe es tatsächlich geschafft! Ich bin der König der Weeeeelt! Yea man, ist das geil! Ich bin im Wechselbad der Gefühle! Finisher-Shirt! Medaille! Her damit!!! Geil, ich bin so glücklich! DANKE Maik, DANKE Mama, DANKE Papa, dass ihr mich über die Ziellinie begleitet habt. Aber meine Beine wollen und können irgendwie noch gar nicht stehen bleiben. Und warum tut gehen jetzt viel mehr weh als laufen! Und stehen bleiben und dehnen erst! Ich glaub ich sterbe! Meine Oberschenkel brennen wie Feuer! Ich hab Schmerzen! Die Frage ob nochmal einen Marathon laufen möchte, beantworte ich spontan und ehrlich mit NEIN! Never! Ich hab es überlebt und bin besser angekommen als ich es erwartet habe.


Spannend wird jetzt das Anziehen der Trainingshose. Wie soll ich da rein kommen? Ich kann meine Beine kein Stück vom Boden heben. Noch schlimmer ist der Rückweg zum Hotel. Der Bordstein wird zur echten Herausforderung. Es sind nur paar Zentimeter, aber ich glaub ich komm da nicht runter. Und dann die Treppen zur Metro. Unfassbar viele Stufen! Die Hölle! Aber wenn ich mich so umgucke, bin ich nicht die einzige. Um mich herum wird gejammert und geflucht. Viele gehen seitlich oder rückwärts die Treppen runter. Es wird viel zusammen gelacht und irgendwie haben wir es dann doch zum Hotel geschafft, wo wir schon auf einen Teil unsere Truppe treffen. Ab hoch, duschen und wieder in die Stadt. Wir wollen alle gemeinsam essen gehen, anstoßen und den tollen Ausflug und den für alle Läufer erfolgreichen Marathon feiern. Zu guter letzt treffen wir uns mit ein paar Leuten im Hotelflur um nochmals mit Sekt, Bier und diversen Knabbereien anzustoßen. An dieser Stelle möchte ich mich persönlich nochmal bei Julia und Mario bedanken, die uns lachend zusammenbrechen ließen. Beide lieferten uns eine super Show, als sie nach ausgiebigem Rotweinkonsum im Restaurant, zu uns gestoßen sind. Wir haben Tränen gelacht! Danke! Dieser Abend ließ mich meine schmerzenden Beine völlig vergessen.

Am nächsten Morgen geht es dann, mehr oder weniger fit, zurück nach Bad Ems. Meine Beine tun heute schon kaum noch weh und ich bin einfach nur total glücklich und mächtig stolz auf mich! Ob ich nochmal einen Marathon laufe?? Ja, ich glaube Berlin kann kommen……

 

 

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