Gerhard’s Alpenberglauf Trilogie 2008 Teil I Zugspitz-Extremberglauf 13.07.2008 16,1 km, Höhendifferenz ca. 2.100 m

Ich stehe in Startnähe in Ehrwald (~1.000 m) unter einem Dach. Es regnet schon die ganze Zeit und es soll weiterregnen. Temperatur ca. 13° C. Schon beim Start um 9:00 Uhr sind wir nass. 100 m nach dem Start Blitz und Donner. Im Kopf sage ich mir, „bei Gewitter geht man nicht auf den Berg“. Ich habe eine kurze Laufhose, T-Shirt und eine dünne Jacke an. Der Lauf nennt sich Extrem-Lauf. Extrem sind heute auch die Wetterbedingungen. Wir –die Teilnehmermüssen „extrem bescheuert“ sein. Ich zähle dazu. Der Lauf führt über Ehrwalder Alm (~1.500 m), Hochfelder Alm und Feldern Jöchel (~2.100 m) zum Gatterl (2.000 m), von dort zur Knorr-Hütte ( ~2.100 m), Sonn-Alpin ( ~ 2.630 m) zum Zugspitzgipfel.

Bereits hinter der Hochfelder Alm ist es häufig nur noch ein „Gerutsche“ über Wiesenwege und matschige Pfade. Schon hier gibt es viele Staus. Am Jöchel und Gatterl sind zusätzliche Seile fixiert, zahlreiche dramatische Szenen bei trittunsicheren Läufern. Gefährlich glatte Felsabschnitte. Zum Glück kann man in den Wolken nicht weit bergab sehen. Nach 2 ½ Std. bin ich bei der Knorr-Hütte in hochalpinen Gelände. Ab hier geht der Regen in Schnee über. Eine Läuferin vor mir, die hier schon zittert, wird auf das Aufhören hingewiesen. Sie läuft weiter.

Der weitere Weg ist unter dem Schnee kaum noch zu erkennen. Die Tragödie beginnt ab hier erst richtig (~ 2.150 m). Auf dem weiteren Weg stark zitternde Läufer / innen, erschöpfte „Bergsportler“. Es kommen mir Bergwachtler entgegen, die Läufer / innen in Alu-Decken einpacken und „hochtragen“ zum Sonn- Alpin. Manche können kaum noch sprechen.

Am Sonn-Alpin erfahre ich, dass der Lauf hier abgebrochen wird. Ich habe viel Schnee auf der Kappe und meine Beine sind knallrot. Jetzt zittern sie. 20 Minuten danach bin ich per Seilbahn auf der Bergstation und habe nun endlich meinen Rucksack mit trockenen Sachen. Neben mir sitzen und liegen Läufer / innen am Boden, manche weinen, einige zittern am ganzen Körper ohne Ende. Eine Frau neben mir sackt zusammen…..Später habe ich Tränen in den Augen und komme dazu aus den nassen Sachen herauszukommen. In sämtlichen Räumen das gleiche Bild. Erschöpfte Läufer / innen mit teils starker Unterkühlung. Helfende Bergwachtler, Sanitäter, Ärzte. Auch „Touristen“helfer.

Um 15:30 Uhr „hat die Erde mich wieder“, sitze in einem Cafe in Ehrwald und erfreue mich an einem Stück Kuchen, die Finisher –Medaille um den Hals. Neben mir ein Ehepaar. Die Frau hat nasse Augen. Sie freut sich, dass ihr Läufergatte „gesund herunter“ ist. Wir unterhalten uns und warten auf die Siegerehrung. Wir wollen aber keine Ehrung erleben, sondern nur erfahren, was da „oben“ alles passiert ist. Nun erfahren wir, dass die „Siegerehrung“ ausfällt. 1 Todesfall. Fast alle im Cafe haben Tränen in den Augen. Ich will nur noch zurück ins Hotel in Mittenwald. Dort erfahre ich, dass es 2 Tote gab.

Mir kommt die Aussage eines Philosophen in Erinnerung, die lautet „Toleranz zur Unlust“ – soll heißen, es muss einem erst mal wieder schlecht gehen, um zu wissen, wie gut es einem geht. Fazit: Ich habe heute viel Glück gehabt Vielleicht auch deshalb, weil ich wegen des 100 km- Laufes vor 4 Wochen sehr langsam los gelaufen bin, nie an meiner Leistungsgrenze war, der Körper immer noch Energie aufbringen konnte und Reserven hatte und ich insbesondere zu einem Zeitpunkt am Sonn-Alpin ankam, als die weitere Strecke bereits gesperrt war. Schnellere, aber auch langsamere Läufer / innen hatten nicht so viel Glück.

Die Finisher-Medaille mit der Abbildung des Gipfelkreuzes der Zugspitze wird zum Kreuz. Ich werde sie mir nicht mehr umhängen. Ob es einen zweiten und dritten Teil der Berglauf / Trilogie geben wird, entscheide ich am Wochenende. Es wäre zunächst der Großglockner-Berglauf am 20 Juli.

Gerhard
13.07.2008

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