NYC -Marathon am 02.11.2008 What does it take?

von Uschi Wagner

Am 07.03.1998 habe ich lautstark mit der anlässlich meines 4o. Geburtstags aufgetretenen Band das Lied von Udo Jürgens mitgesungen " Ich war noch niemals in New York....".

Nach meinem 1. Marathon 2004 in Frankfurt stand relativ schnell fest, dass das nicht der letzte Marathon sein sollte. Ich wollte unbedingt nach New York, aber nicht sofort. Es sollte ein Highlight anlässlich eines besonderen Ereignisses sein. So mussten also noch einige andere Marathons gelaufen werden, bzw. konnten aufgrund von Erkrankung nicht gelaufen werden.

Vor genau einem Jahr entschloss ich mich bei Meddy' s Sportreisen zu der New Yorkreise anlässlich des Marathons im November 2008 anzumelden. Mein 50. Geburtstag stand im März vollkommen unter dem Zeichen der anstehenden Reise. Geschenke in Form von Reisegutscheinen/Reiseführer zu NYC aber auch jede Menge Bargeld (ein Plastikkoffer voller Dollars von meinen Kollegen- der Kurs war ausgesprochen gut) spornten die Vorfreude an.

Aber dann diese Verletzung mitten während der Vorbereitungszeit im August 2008. Die linke Hüfte schmerzte, an ein, wenn auch nur leichtes Training war gar nicht zu denken. Vom Orthopäden zum Osteopaten über den Hausarzt zum Chirurgen und immer wieder Krankengymnastik und manuelle Therapie. Es wurde keine eindeutige Diagnose gestellt. Sollte ich die Reise, für die ich mich mental bereit seit langer Zeit vorbereitet hatte, kanzeln? Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Kurzfristig entschloss ich mich nach einem einzigen langen Lauf mit meinem Mann die Reise am 30.10.2008 anzutreten. Gut dass ich mich so entschieden habe. Dieser Lauf war einfach unbeschreiblich.

Am Morgen des 2.11.2008 wurden wir mit unserer Gruppe im Hotel mitten in Manhatten um 5.45 Uhr abgeholt. Ein scharfer Wind weht durch die Straßenschluchten von Manhatten es ist dunkel und bitterkalt. Eingemümmelt in die ältesten Klamotten - wir sehen aus wie Clochards- geht es per Bus nach Staten Island, da die Verrazano Bridge, über die wir zuerst laufen müssen gesperrt wird. Langes Warten mit ca. 390000 anderen Läufern in eisiger Kälte. Gott sei dank habe ich mir im Altpapier noch Pappe herausholt, auf die ich mich im dicht gedrängten Zelt (eins von vielen) setzte. Nach einigen Pipipausen ( so viele Dixiklos hab ich noch nie gesehen) ohne jegliches Anstehen werden die Kleiderbeutel dann eine Stunde vor dem Start zu dem entsprechenden UPS-Wagen gebracht.

Dann geht es allmählich zu der Startaufstellung. Um 10.00 Uhr soll ich in der Blauen Welle im Block D starten. Geplatzt ist der Wunsch von Gisela ( blaue Welle -Block B), Nina (grüne Welle) und mir zusammen zu laufen. Nur wildfremde Menschen aus aller Herren Länder um mich herum. Wir werden nun allmählich in Bewegung gebracht. Es geht an Bussen vorbei in Richtung Verrazano Bridge, der Startschuss für die 10.00 Uhr -Läufer fällt und Frank Sinatras Stimme erklingt in voller Lautstärke " New York, New York...." -Gänsehaut-feeling pur. Und das soll so weitergehen bis zum Ziel. Wärmende Kleidungsstücke werden entsorgt. Es ist immer noch frisch und windig. Aber ein strahlend blauer Himmel und Sonne pur begleiten uns. Für mich fast optimales Laufwetter. Auf der Verrazano-Bridge klettere ich auf die Mauer, die den Mittelstreifen bildet und schieße die ersten Bilder des Laufes. Ich will so viel wie möglich sehen, mitkriegen und aufsaugen.

Hinter der Verrazano-Bridge kommen wir nach Brooklyn und werden mit frenetischen Anfeuerungsrufen empfangen und getragen. Die geschätzten zwei Millionen New Yorker an der Strecke schreien sich die Kehle aus dem Leib und wie viele Läufer denke auch ich, dass ich persönlich angefeuert werde, denn mit dem Namenszug auf dem Shirt schreien die Menschen mir zu: "You do a good job Utschi" " You are the greatest Uski". Uschi scheint sehr schwer zu lesen und auszusprechen zu sein. Die Menschen scheinen stolz darauf zu sein, dass wir in ihrer Stadt laufen. Kleinkinder auf dem Arm ihrer Eltern recken uns ihre Händchen entgegen und wollen abgeklatscht werden. Die grüne Welle trifft in Brooklyn nach ca. 3,5 Meilen auf die orangefarbene und blaue Welle. Man lief bisher getrennt. Dreimal muss ich austreten und dann treffe ich nach ca. 11 Meilen Nina, die um 10.00 Uhr bei grün gestartet ist. Wir laufen Hand in Hand nach ca. der Hälfte der Strecke über die Pulaski Bridge und ein Stück durch Queens. Die Anfeuerungen des Publikums ziehen sich so fort bis Queens - außer im orthodoxen Judenviertel, dort wird es etwas gespenstisch. Niemand auf der Strasse der jubelt man hört nur die Schritte der vielen Läufer. Zufällig vorbeieilende Eltern mit Kindern halten ihren Kindern die Augen zu. Alles viel zu weltlich und mit zu viel Freude gepaart.

"Nina" können die Menschen hier auf diesem Kontinent viel besser aussprechen wie Uschi. Manchmal buchstabieren sie lautstark meinen Namen. - Einfach genial. Nina habe ich auf der Queensboro-Bridge wieder verloren. Ein jeder kämpft bei dieser doch ansteigenden, vom Wind nicht geschützte ohne Zuschauer gesäumte Strecke alleine. Viele gehen bereits, werden zum Teil gestützt. Genial der Blick nach links - die Skyline von Manhatten. Wir sind inzwischen bei der 15. Meile angekommen. Hinter der Brücke sollen unsere eigenen Fans mit der mitgebrachten grünen Meddy-Fahne warten. Was für ein Jubel hinter der Kurve, von der Brücke kommend "Welcome to Manhatten" brüllt die Menge uns an Willkommensgruß entgegen. Ich sehe die grüne Fahne und halte an. Unsere mitgebrachten Zuschauer stehen in der 5. Reihe an die Hauswand gedrückt und sehen mich zunächst nicht. Ich klettere auf die Absperrung, fuchtele wie verrückt mit meinen Händen und artikuliere mich stimmgewaltig. Endlich haben die Fans mich entdeckt mit dem Effekt, dass nicht sie einen Schnappschuss von mir machen, sondern ich so gut es eben von der Absperrung aus geht, von ihnen mache.

Ich setze mich weiter in Bewegung es ist eine geniale Stimmung. Wir biegen bei Meile 16 auf die First Ave. Die zieht sich bis in die Bronx. Die breite Straße mit abertausenden jubelnden Menschen und dann die Willkommenschreie im tiefsten Bass "Welcome to the Bronx". Zurück geht es über die letzte der 5 Brücken nach Manhatten über Harlem mit seinen vielen Musikgruppen über die Fith Ave in den Central Park. Kurz vor dem Ziel dann noch ein kurzes Gespräch mit unsern fahnengeschmückten gut zu erkennenden Fans und dem unfassbaren Glück den Lauf ohne Probleme geschafft und vor allen Dingen genossen zu haben. Die letzten Ansteigungen werde ich auch noch schaffen. Im Ziel bin ich aberglücklich und irgendwie berauscht. Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass niemand mich im Ziel begrüßen kann und niemand mich in den Arm nehmen und drücken kann. Trotz der großen Beteiligung vom Menschen habe ich mich in dem Moment alleine gefühlt und habe mich von der nun im Gänsemarsch zu den UPS- Wagen laufenden Menge, die in Folien gegen das Auskühlen verpackt war, mitziehen lassen.

Ein großes Ereignis, von dem ich noch lange zehren werde. Wie kann so etwas noch getoppt werden? Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich trotz der Verletzung im Vorfeld den Lauf in 4:48 mit Schwätz- Foto- und Pipipausen ohne Probleme geschafft habe und mich somit am nächsten Tag in der New York Times wieder fand.

Uschi

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