Halbmarathon in Bonn - Volksfest in der "blauen" Zone

von Mario Fischer

Das sollte also meine erste Großveranstaltung werden. Zielsetzung war ganz klar: Spaß haben, Ankommen und danach immer noch Spaß haben!

Allerdings ging das Läuten des Weckers um 5.00 Uhr nicht ganz mit dieser Philosophie einher... Es ging mir wie es sicher vielen beim Ersten Mal geht, ich war aufgeregt und hatte die Nacht fast kein Auge zugemacht. Ein mageres Frühstück mit einer bitter notwendigen Mindestmenge Kaffee musste reichen. Am Koblenzer Bahnhof trafen wir noch weitere Mitläufer vom Running Team und ein gewisses Lauffieber ergriff mich, trotz meiner immer noch bestehenden Müdigkeit und meinem Wunsch, wieder ins heimische Bett zu klettern. Anderen ging es, mir zum Trost, offenbar nicht viel anders. Müdes Schweigen und Murmeln im Zug, dann nach und nach das wohlbekannte "Noch-mal-schnell-vor-dem-Lauf-Austreten"-Prozedere, ich war zu aufgeregt, dann zu ungeduldig, dann stiegen Gäste zu, alles Läufer, die scheinbar alle noch was zu erledigen hatten. In meinen Startunterlagen fand ich einen blauen Punkt, ein Mitläufer hatte einen roten, ein anderer einen grünen Punkt. Auf meinen fragenden Blick hin wurde ich informiert, dass so das Starterfeld aufgrund der zu erwartenden Laufzeit getrennt würde, damit man sich nicht zu stark in die Quere kommt - falls der Veranstalter dies richtig plant ;o) - . Also, das sollte mein erster offizieller Halbmarathon werden und ich hatte den blauen Punkt, quasi der Punkt des Makels, der Langsamen, Alten und Schwachen. Dort starteten sogar die Walker und Firmenläufer und ich hatte noch allzu gut in Erinnerung, wie es sich anfühlt, wenn gestählte Nordic Walker mich als Läufer aufrollen... Hätte man nicht wenigstens die Letztgenannten zu einem anderen Zeitpunkt starten lassen können?

Nun gut, wir wurden per Startunterlagen eingeteilt, konnten unser Gepäck organisiert platzieren und uns in Ruhe in offenen Zelten umziehen. Allerdings wollte mein Frühstückskaffee immer noch raus und dort standen Menschenmengen vor den zahlreichen Toilettenkolonnen... und ich war immer noch ungeduldig. Mir wurde erzählt wie man sich in Vorjahren parkseits dieses Problems entledigt hätte und in meinem Kopf bauten sich Bilder von im Sandkasten spielenden Kindern auf. Das war leider inakzeptabel. Die Startzeit 8:30Uhr näherte sich und ich entschloss mich, das Problem zu verschieben, immerhin waren die rund 7500 Menschen dort primär zum Laufen und würden wohl irgendwann auch für mich Platz machen. Als der erste Startschuss fiel waren meine Schuhe schnell, meine Beine laufbereit, doch nichts passierte. Außer, dass nur die "roten" Läufer sich in Bewegung setzen durften und der Sprecher euphorisch und mit lautstarker musikalischer Untermalung (sonntags morgens in der Bonner Innenstadt ausschlafen zu wollen ist absurd) deren Start zelebrierte, regte sich bei uns in der blauen Zone nichts. Nach etwa 10 Minuten zog sich das Starterfeld zusammen und ich dachte, jetzt geht's aber los... dachte ich... und dachte ich... bis ich's irgendwann hoffte - und schließlich auf Toilette ging. Dann kam wieder ein Startschuss, bedenklich nah und laut. Hatte ich etwa meinen ersten Start verpasst?! Also fertig machen und raus und... alles stand immer noch. Immerhin die grüne Zone in Sichtweite war weg.

Die blaue Zone rückte noch dichter beisammen. Bei dem Duft der vielen sportlichen Menschen dachte ich plötzlich "Vor dem Lauf ist nach dem Lauf" und freute mich noch mehr auf den Start. 18 Minuten nach dem ersten Startschuss kamen wir "blauen" Läufer zur Startlinie, langsam trabend, mal gehend, verhalten Haken schlagend, weil es bei der Menschenmenge einfach keinen großen Sinn gemacht hätte, seine Kraft mit Schlangenlinienlaufen zu verplempern. Und dann ging es tatsächlich los! Nach 2 bis 3 km entzerrte sich das Feld soweit, dass man versuchen konnte einen, wenn auch verhaltenen, Rhythmus zu laufen. Beim ersten Überqueren der nicht weit vom Start entfernten Kennedy-Brücke kamen uns plötzlich Autos und Motorräder entgegen. Was sollte denn das sein? Teilweise wurde aggressiv um Platz gehupt, um eine Schneise in die Massen zu bahnen. Dann sah ich die Ersten mir entgegen kommen, verdammt schnell und verdammt ernst... und ich kam mir verdammt langsam, klein und schwach vor. Immerhin war es meine erste Großveranstaltung, mir hätte sicher eine solche organisatorische Panne auch passieren können ;o). Sei's drum, die blaue Karawane wälzte sich schließlich auch von der Brücke und wir liefen durch die Stadt und schließlich durch Wohngebiete. Dort hatten sich diverse Leute, Zuschauer und andere Verrückte versammelt, die den Vorbeilaufenden unermüdlich applaudierten und ihnen zuriefen, sie beschallten oder für sie sogar private Versorgungsstellen aufgestellt hatten. Cool! So eine Laufveranstaltung hat definitiv etwas stark gruppendynamisches und ich frage mich seit dieser Erfahrung, ob wirklich der Läufer etwas verrückt sein muss, oder die Menschen, die diese noch bejubeln. Trotzdem, es ist einfach stark und man teilt den Lauf mit den Menschen am Straßenrand. Ganz nebenbei, Bonn ist eine schöne Stadt, zumindest was die schnelle und recht einfache Laufstrecke, fast ausschließlich auf Straße, so zeigt. Es ging runter zum Rhein, über schmale Radwege gab's erneut Gedränge, bei einem der gut ausgestatteten und häufigen Versorgungsstellen brach der Lauffluss tatsächlich ab, es wurde schrittweise gegangen und ich entschloss mich, eine halbe Banane zum Wasser zu nehmen. Tatsächlich haben wir Leute wiederholt getroffen, sind ähnliches Tempo gelaufen und mit dem ein oder anderen ein Schwätzchen gehalten. Das Tempo war moderat und die Laune gut. Zwischen Kilometer 10 und 15 entzerrte sich das Läuferfeld deutlich und in Richtung Wendepunkt Ramersdorf liefen uns die Vorangestarteten entgegen. Vorzugsweise aus der roten und der grünen Gruppe, und oft genug sahen die gar nicht mehr so gesund und entspannt aus... ob ich auch so aussah? Immerhin, es erfüllte mich mit gewissem Stolz, ab dem Wendepunkt kaum noch Läufer der blauen Gruppe zu sehen, sondern vielmehr die Grün- und Rot-gepunkteten zu überholen. Auf den letzten 3km begannen die Füße zu schmerzen und man darf sich durchaus die Frage stellen "Warum tue ich das?". Der Zieleinlauf, Hand in Hand mit meiner Liebsten, war großartig. Und vielleicht erklärt mir das, und vielleicht auch der Jubel der Zuschauermassen, warum ich es immer wieder tun werde. Der Zielbereich wurde vorbildlich mit Ordnern für die Nachfolgenden frei gehalten und wir wurden direkt ins Versorgungsdorf geleitet. Dort trafen wir die restlichen Mitstreiter des Running Teams, bereits rege unterhaltend bei alkoholfreiem Weizenbier und Schmalzbrot. Bei der abschließenden Pasta-Party gab's dann doch noch echtes Bier und ich war dankbar, dass auf der Heimfahrt die Zugtoiletten frei sein würden.

Mario

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