Meine Erlebnisse in Biel – 12./13. Juni 2009

von Detlev Stumm

22:00 Uhr – Startschuss und los geht’s. Thomas und ich laufen schon zu Beginn (unter 6 Min.) viel zu schnell!!! Fit sind wir, keine Frage. Aber wie soll das weiter gehen??? Bei km 2,9 grüssen wir unseren Vermieter Jaques Zurbriggen auf der rechten Seite in einem Straßencafe. Jaques schon in Trinklaune winkt und schreit wie verrückt. Es kommt km 7,0 und eigentlich war gehen angesagt! Gehen? – was ist gehen? Außerdem sind da noch Carmen und Harald (auch aus Dachsenhausen) im Blickwinkel und die laufen ja auch da hoch. Also warum sollten wir gehen? Bei km 8,0 lassen wir die Stadt hinter uns – es läuft wie geschmiert. Es kommt km 10,0 – Zeit: 58 Min.!!!!! Ich hatte ein Zeitfenster von 61 – 68 Min geplant. Es geht im gleichen Tempo weiter bis km 20,0. Die nächsten 10 km werden in 61 Min. abgerissen. Es geht unvermindert weiter. Doch dann meldet sich bei Thomas verstärkt die Achillessehne in der rechten Wade und bei mir etwas das ich bis dato noch nicht gekannt habe: Blähungen! So schlimm, dass ich dachte mir zerreißen die Därme und ich zwischendurch immer wieder langsamer laufen, gehen und sogar stehen bleiben muss vor Schmerzen.

Mit Veronika war ein Treffpunkt bei ca. km 23,0 vereinbart, doch was ist das? Wir laufen gar nicht an dem vereinbarten Treffpunkt vorbei! Wir hatten uns mit dem Treffpunkt vertan und dann sind wir auch noch schneller als vereinbart. Das ihr von mir vorgegebene Zeitfenster wies 00:20 – 0032 Uhr aus. Wir waren aber schon um 00:13 Uhr in Lyss. Warten konnten wir nicht, also weiter. Clevererweise hatte ich das Handy nicht mitgenommen!?!

Der Schmerzpegel stieg bei Thomas kontinuierlich an und meine Schmerzen wurden unerträglich. In Kurzfassung: ich musste zwischen km 25 und 40 8X sch…...(in die Büsche). Das Ertasten und der Einsatz von „Toilettenpapierersatz“ in der Dunkelheit und die Tatsache, dass ich einmal abgemähte und bereits getrocknete Brennnesseln und Disteln „erwischte“, war das „Highlight“ schlechthin. Die dann noch verbleibenden Rückstände massierten wohlig das vorher vaselingeschmierte „Umfeld“. Und obwohl Thomas langsamer weiter lief, fiel mir das sich immer wiederholende Aufschließen irgendwann immer schwerer.

Dann kam km 30,0 (vorgegebenes Zeitfenster: 01:06 – 01:18 Uhr), die wir um 01:05 Uhr passierten. Wir kamen nach Oberramsern (km 38,3) und ich fragte mehrere Helfer ob sie mir evtl. mal mit einem Handy aushelfen könnten? Irgendwann fand ich eine nette Helferin die mir ihr Handy gab und mir auch noch freundlicherweise die Nummer wählte da ich ohne Brille nachts, blind wie ein Maulwurf, das Gerät nicht mehr bedienen konnte. Die Verbindung funktionierte und Veronika teilt mir mit, dass sie dann endlich um 01:30 gestartet, uns „auf den Fersen sei“. Wir liefen weiter und kaum gestartet „ortete“ ich das einzige Loch in der Straße mit meinem rechten Fuß, der dann komplett umknickte – Bravo. Aber alles okay und weiter geht’s.

Die Schmerzen in Thomas Wade werden immer unerträglicher und er beschließt in Kirchberg (km 55,0) auszusteigen. Und obwohl meine Schmerzen abklingen, mich aber das Ganze so genervt hat, überlege ich mir ob ich das nicht besser auch mache!? Dann bei ca. km 43 (kurz hinter dem Marathonziel) schließt Veronika zu uns auf. Wir laufen etwas langsamer weiter und nur wegen des Zuspruchs von Thomas und Veronika den Lauf zu beenden, mache ich das. In Kirchberg verabschiede ich mich von Thomas, der mir noch alles Gute wünscht und auch Veronika muss hier vor dem „Ho-Chi-Minh“-Pfad mit ihrem Drahtesel von der Laufbahn. Der „Emmendamm“ besteht aus den unterschiedlichsten Oberflächen. Die anspruchsvollste, bestehend aus Wurzeln und Steinen, einspurig, ist schon etwas Besonderes. Hier knicke ich ein zweites Mal mit meinem rechten Fuß um und wieder Glück gehabt. Eine Gruppe aus dem Kohlenpott biegt plötzlich links ab und ich herdentriebgeprägt auch. Merke aber sofort: da dimmt wat nit!?! Suche nach Markierungen und finde sie wieder auf dem ursprünglichen Pfad. Ich pfeife die Meute zurück und weiter geht’s. Ich laufe dann alleine vorneweg, bis ich mich irgendwann an einen sympathischen Grauhaarigen meines Alters hängen kann. Wir laufen zusammen bis zum Ende des Damms. Ich bedanke mich bei ihm und laufe weiter bis ich Veronika bei km 65 wieder begegne. 2 Läufer von Meddy’s treffe ich unterwegs immer wieder. Dann geht’s nach Bibern. Das ist der Knaller. Das kann (glaube ich) niemand laufen. Da macht selbst das Gehen Probleme. Oben angekommen ist die Welt wieder in Ordnung und ich kann wieder „Gas geben“. Hier geht’s ja auch stramm bergab. Ab km 85 lässt die Kraft nach. Ich merke deutlich, „dass ich mein Pulver verschossen habe“. Ich muss alle 5 km, 2-300 Meter gehen und auch bei leichteren Steigungen gelingt mir das Laufen nicht immer. Selbst bei km 98,0 gehe ich nochmals ca. 100 Meter, um noch „eine gute Figur“ zu machen und nicht wie ein Looser durchs Ziel zu kriechen. Zeit: 11:20.

Resümee:
Unser Ziel war unter die 11 Stunden zu kommen Die äußeren Bedingungen wie Wetter, Verpflegung etc., waren super. Das Thomas aussteigen musste, tat mir sehr leid. Ich hätte am liebsten auch aufgehört. Unter Berücksichtigung der „Erlebnisse“ bin ich für mich jedoch mit dem Ergebnis noch zufrieden.

Detlev Stumm

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