Haile Gebrselassie: Ein Superstar ohne Allüren

von Jürgen Zanger

Trier, 30. Dezember 2009: Ich sitze in einem Raum des renommierten Hotels Steipe am Hauptmarkt und warte auf den Beginn der Pressekonferenz zum Trierer Silvesterlauf. Dicht gedrängt sitzen und stehen die Journalisten von Print, Radio und Fernseh. Ich plaudere mit einigen Kollegen, wechsele ein paar Worte mit Sabrina Mockenhaupt, die als eine der Topläuferinnen ebenso wie ihre nationale Dauerrivalin Irina Mikitenko bereits am Podium Platz genommen hat. Immer noch schieben sich Journalisten in den überfüllten Raum, sie alle warten gebannt auf Haile Gebrselassie, den äthiopischen Superstar. Ich bin heilfroh, dass ich einen Platz in der ersten Reihe habe.

Dann kommt er, der beste Langstreckenläufer aller Zeiten. Haile Gebreselassie betritt lächelnd den Raum, begleitet von einem Blitzlichtgewitter geht er zu seinem Platz zwischen Mikitenko und Mockenhaupt. Der kleine Athlet, der seit 1992 im Crosslauf, auf der Bahn von 1500 Meter (3:31,77 Minuten) bis 10000 Meter (26:22,75 Minuten) und auf der Straße auf allen Strecken bis hin zum Marathon (2:03:59 Stunden) absolute Weltklasse-Zeiten hinlegt, wartet geduldig, bis die offiziellen Begrüßungen durch Politik und Sponsoren vorüber sind. Dann ist es soweit, die Journalisten stellen ihre Fragen und Haile antwortet.

Kann er auf dieser kurzen Distanz von "nur" acht Kilometern aus der Marathonvorbereitung für Dubai am 22. Januar schnell laufen? Die Antwort ist typisch Haile: "Ich versuche in meinen Rennen immer schnell zu laufen, versuche immer Rekorde oder Bestzeiten zu laufen. Ob es letztlich klappt, hängt von vielen Faktoren ab: Wetter, Tagesform, Rennverlauf. Ich gebe immer alles."

Die Journalisten wollen unbedingt wissen, ob er in Dubai erneut seinen Weltrekord, den er 2008 in Berlin mit 2:03:59 aufgestellt hat, knacken kann. Haile Gebrselassie lässt keinen Zweifel daran, dass er dies versuchen wird. "Ja, unter optimalen Bedingungen kann ich den Weltrekord verbessern. Aber Marathon ist schon etwas ganz Besonderes, da kann so viel passieren." Falls es in Dubai nicht klappt mit dem Rekord, will er vielleicht im September in Berlin erneut einen Angriff auf den Weltrekord machen. "Berlin ist meine zweite Heimatstadt. Dort ist einiges möglich", schwärmt der Ausnahmeathlet von der deutschen Hauptstadt.

Haile beantwortet Frage auf Frage, mit seiner sympathischen Art ohne jegliche Starallüren begeistert er die Medienvertreter. Dann ist die Pressekonferenz zu Ende, während nochmals eine finale Fotoorgie beginnt, ziehe ich mich in einen angrenzenden großen Raum zurück, in dem ein Büffet mit Salaten, Suppen, Kaffee und Kuchen aufgebaut ist. Ich bin zufrieden, hatte das große Glück gehabt, mein Idol hautnah zu erleben.

Ich hole mir einen Nudelsalat und eine Apfelsaftschorle und gehe leicht gedankenversunken an einen Tisch. Und dann traue ich plötzlich meinen Augen nicht, weiß nicht, ob ich träume oder ob es Wirklichkeit ist: Haile Gebrselassie kommt zu mir an den Tisch, isst ebenfalls eine Kleinigkeit. Er ist unglaublich freundlich, plaudert und macht mit einem kleinen Kind, das zu einer afrikanischen Läuferin gehört, Späßchen. Dann kommen noch Irina Mikitenko, Sabrina Mockenhaupt und später Herbert Steffny an den Tisch. Wir lassen uns fotografieren, dann wird gefachsimpelt und natürlich auch ausgiebig gescherzt.

Auf der Heimfahrt von Trier steht für mich fest: Ich werde morgen wieder nach Trier fahren und mir den Lauf Haile Gebrselassies anschauen. Fan dieses großartigen Läufers und Menschen, der mit seinen Siegprämien und Sponsoreneinnahmen in seiner Heimat Schulen baut, Nachwuchssportler fördert und als Unternehmer 500 Menschen beschäftigt, bin ich schon viele Jahre. Doch durch die Begegnung mit ihm ist meine Bewunderung noch größer geworden.

Trier, 31. Dezember, 15. 20 Uhr: Der Lauf der Asse mit Haile Gebrselassie wird in zehn Minuten gestartet. Die 1000-Meter-Rundstrecke, die die Athleten acht Mal zu laufen haben, ist mehrreihig mit Zuschauern gesäumt. Als Akkreditierter darf ich mich auf der durch Absperrgitter gesicherten Strecke aufhalten. Schon beim Frauenrennen vor wenigen Minuten herrschte unglaublicher Puls, die Menschen schrien sich ihre Kehlen heiser. Jetzt ist es etwas ruhiger, alle warten auf das Topereignis. Dann ein Aufschrei: Haile taucht im Startbereich auf. Die Menschen sind aus dem Häuschen. Das nasskalte Wetter ist natürlich nicht das Wunschwetter des Afrikaners, doch der bereitet sich unbeeindruckt auf seinen Start vor. Mit einer Salbe reibt er sich Oberschenkel und Waden ein, dann noch mal in die Kameras lächeln, den Zuschauern winken, schon beginnt der Count-Down. Dann rast er los. Ich stehe bei der 1000-Meter-Marke. Dann fegt Gebrselassie dicht an mir vorbei, ich stoppe 2:47 Minuten für den ersten Kilometer. Konfetti fliegt aus tausenden Händen, der Lärm ist ohrenbetäubend. Da es in den Kurven extrem rutschig ist, muss Haile dort immer etwas Tempo rausnehmen, ein Grund, warum er am Ende den alten Streckenrekord hauchdünn um 1,5 Sekunden verfehlt. Doch er nimmt es nicht so tragisch - er hat wie immer alles gegeben. Im Ziel bekommt er eine Krone aufgesetzt, die Massen feiern ihn frenetisch. Ihm scheint dieser Trubel fast etwas peinlich zu sein.

Mein Fazit: Für mich waren die beiden Tage in Trier etwas ganz Besonderes, ich hatte die Gelegenheit, den besten Läufer aller Zeiten zu treffen und konnte ihn im Wettkampf hautnah beobachten. Da Trier aber auch für Freizeitsportler die Topadresse ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass wir vom Running Team Bad Ems mit einer großen Gruppe beim Silvesterlauf 2010 in Trier an den Start gehen.

Ich wünsche allen Mitgliedern ein gutes Jahr 2010

Jürgen Zanger

 

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