Das schönste Ziel der Welt oder "Hurra, ich bin Ultra"

von Claudia Crezelius

Das schönste Ziel der Welt liegt in Schmiedefeld, das behaupten zumindest die Organisatoren vom GutsMuths Rennsteiglauf.

Nun es ist ziemlich unspektakulär das Ziel auf dem Rasensportplatz in Schmiedefeld, aber auch als 18xx Finisher wird man noch mit einer, wenn auch kleinen, Laola-welle begrüßt.

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Die Atmosphäre stimmt in dem kleinen Thüringer Ort! Aber von einem 72,7 km langen Lauf, da gibt es mehr zu erzählen als der Zieleinlauf also: Ich weiß nicht mehr wer von Running Team die Idee hatte in 2010 am Rennsteiglauf teilzunehmen. Ich weiß nur das mein Mann davon sehr begeistert war, und wenn dann sollte es natürlich "der lange Kanten" sein: Der Supermarathon. Ohne lange nachzudenken hab ich ja gesagt. Ist ja noch sooolange hin - da fließt noch viel Wasser die Lahn runter. Doch Egon ist da schnell bei der Hand und hatte uns ruckzuck angemeldet. Na gemeinsam sind wir stark und meine bessere Hälfte zieht mich schon ins Ziel und außerdem ist ja noch so viel Zeit. Doch nichts läuft schneller als die Zeit! Der Frankfurt Marathon lief nicht gut, egal jetzt läuft die Planung für den Supermarathon an. Pläne sind schnell gemacht, die Realität sieht meistens anders aus. Der Winter war hart und Schnee und Eis reichlich vorhanden und ich hatte ruckzuck meinen ersten Gipsarm. An Laufen war da nicht zudenken, und bis ich mit dem Training einsteigen konnte war es schon Februar. Zu allem Übel bekam Egon Schmerzen im rechten Knie, das hatte gerade noch gefehlt.


Laufen darf er laut Aussage des Arztes, denn wenn's schlimmer wird hört er von selbst auf. Wie wahr!!! Nach einigen quälenden Versuchen hat er das Laufen eingestellt. Was nun? Das war keine große Überlegung. Die Ferienwohnung in Eisenach war gebucht, die Startnummern bezahlt und die ganze Planung umsonst, nee ich laufe. Den ersten Testlauf in Marburg hatten wir wegen Hochwasser sausen lassen. Der zweite war der Königsforstmarathon, den hab ich nur als Halbmarathon absolviert. Der Lauf war absolut zu schnell für mich. Der langsamste Läufer war mit 4:55 St. im Ziel - und dann wäre lange nix gewesen und dann ich. Nee, das musste ich weder mir noch allen Anderen antun. Aber die Vorbereitung lief immer besser und die Strecken wurden immer länger. Der Weilburgmarathon war auch gut, nur das Wetter für mich schon zu warm. Und plötzlich sind es nur noch 2 Wochen und der letzte lange Lauf durch das wunderschöne Mühlbachtal und über die Höhen zurück ist vorbei. Schade, genau das hab ich genossen. Stundenlang durch unsere schöne Heimat zulaufen, und je weniger Menschen mir begegnen umso besser.


Auch die letzten beiden Wochen vergehen flugs und ab geht's nach Eisenach. Schade ist nur, dass wir von den anderen Rennsteigfahrern nichts mitbekommen. Da Heike, Jürgen und Adi in Oberhof zum Halbmarathon starten, haben Sie auch dort Quartier bezogen. Petra und Peter Bodenbach, die beim Walking starten, wohnen auch woanders. Unsere Unterkunft ist klein, aber ok. Frühstücken kann man gut und reichlich 50 m. weiter in einem Hotel, am Starttag schon ab 4.45 Uhr. Na ab geht`s zum Start. Von weitem hört man schon die gesangliche Frage ob denn der alte Holzmichel… Nun hier geht's recht volkstümlich zu. Auf dem Marktplatz tummeln sich schon viel Läufer. Ich suche erst mal die berühmten Dixiehäuschen. Etwas versteckt auf dem Schlossplatz werde ich fündig, doch die Schlange ist riesig. Noch 10 Minuten bis zum Start und noch 6 Menschen vor mir, nee da will ich doch lieber die Atmosphäre beim Start miterleben. Wir laufen ja noch durch genug Wald


 

Und dann stehen da Renate, ihr Mann Bernd und natürlich Barny. Die Überraschung ist gelungen. Ich freu mir ein Plätzchen wie Renate dazu sagen würde. Doch die Zeit ist jetzt knapp und ab geht's. Unter den Klängen des Rennsteigliedes wird der Lauf gestartet. 72,7km - ein bisschen mulmig ist mir schon, aber ich freue mich auch, das es endlich los geht. Kurz hinter dem alten Stadttor hat jemand ein "Ortschild" aufgestellt: Schmiedefeld 72km. Na toll, 700meter sind geschafft und schon geht's bergan. Ca.7km sind es noch bis wir an der "Hohen Sonne" den eigentlichen Rennsteig erreichen. Am Burschenschaftsdenkmal vorbei erklimmen wir die erste Höhe und tauchen in den Wald ein. Ich halte es wie die anderen Läufer, ich laufe wenn alle laufen und gehe wenn alle gehen. Mit dieser Taktik hoffe ich gut über die Runde zu kommen. Auf den ersten Kilometern ist das Feld noch sehr geschlossen, die Wege sind recht eng und überholen ist nur schlecht möglich. Wir lassen es ruhig angehen hier im hinteren Drittel, 1500 Höhenmeter da ist der Respekt doch groß.

War es in Schmiedefeld mit ca. 5 Grad noch recht warm, so merkt man doch mit jedem Höhenmeter das es kälter wird und neblig. Schade irgendwo soll es doch den tollen Blick auf die Wartburg geben. Ja den gibt es und ich hab ihn tatsächlich erhascht - zwar von Nebelschwaden umhüllt aber sichtbar. So geht's bergan und bergab und geradeaus- das kann so bleiben. Gerade will ich es mir gemütlich machen in meinem Trab, da fehlen doch die km Markierungen. Bis km 15 war jeder einzeln markiert - und das zieht sich plötzlich. Da müsste doch mal was kommen! Was kommt ist die erste Zeitnahme und eine der vielen guten Verpflegungsstellen. Warmer Tee, Wasser, Cola, Äpfel und Bananen und trockenes Brot, Butterbrot, Schmalzbrot, Käsebrot oder Salamibrot - hier gibt's von allem reichlich, und dass an allen 17 Verpflegungsstellen, dazu kommen noch etliche Getränkestellen. Ganz toll was da angeboten wird und mit welcher Freude die Helfer bei der Sache sind. Zusätzlich steht die Bergwacht noch an weiteren Punkten um bei Verletzungen zu helfen. Zeitnahme war bei km 18, das hatte ich gelesen dann wird wohl erst ab 20km wieder eine Markierung sein. So ist es auch. Noch 5 km bis zum Gipfel des Inselbergs. Dann sind fast 1000 Höhenmeter absolviert, doch jetzt wird es erst mal wirklich steil und so bleibt es bis km 25. Von weitem sehe ich dort Egon stehen und gemeinsam gehen wir über das Gipfelplateau.

 

Jetzt kommt das Stück vor dem ich mächtig Respekt habe: ca.1,5 km steil bergab. Über Treppen auf einen Teerweg und mit mächtigem Gefälle - das steilste Stück der 11Runde auf 1,5 km verlängert- vorsichtig hoppele ich den Berg hinab. Nur keinen Krampf kriegen! Unten entlohnt eine Verpflegungsstelle von den Strapazen und hier steht Familie Gerstel und hält nach mir Ausschau - wie schön. Renate bewundere natürlich das Angebot an Speisen und Getränken während ich froh bin ein Stück trockenes Brot runterzuwürgen.


Meine Renntaktik ist ziemlich einfach gestrickt. Hier bei km 26 wollte ich in weniger als 4 Std. sein, bei km 54,7 unter 9 Std. und im Ziel vor Zielschluss. So nun sind erst 3,30 Std. vorbei und das erste Ziel und die meisten Höhenmeter liegen hinter mir. Zufrieden laufe ich weiter. Die nächsten 15 km werden die einfachsten sein, so hab ich wenigstens gelesen. Hügelig aber keine extremen Steigungen. So ist es auch. Bei km 40 ändert sich das und ich hab einen leichten Durchhänger. Aber was soll's ich will nach Schmiedefeld!

Den Grenzadler erreiche ich nach 8:12 Std. und bin damit 45min vor meiner Zeitplanung. Dafür plagen mich aber erste Schmerzen im Knie, viel früher als erwartet. Hier am Grenzadler kann man offiziell aussteigen und den Lauf nach 54,7 km werten lassen. Doch das kommt nicht in Frage, die 18 Kilometerchen die gehen noch - gehen, wie wahr. Als ich die Matten passiert habe und weiter zur Verpflegung lauf, sehe ich meine treuen Fans: Egon, Renate und Bernd. Renate gestiefelt und gespornt für einen langen Lauf. "Nimmst du mich mit" na das war eine nette Überraschung. Gemeinsam haben wir uns auf die letzte Etappe gemacht. Renate hat nicht soviel von dem Lauf gehabt, leider mussten wir immer mehr Gehpausen einlegen. Besonders bergab haben mir die Knie sehr wehgetan. Geradeaus ging's aber immer noch im langsamen Laufschritt, doch die geradeaus Passagen waren nicht ganz so oft wie gewünscht. Der Beerberg, mit 947m der höchste Punkt der Strecke wollte noch bezwungen werden, ehe es runter nach Schmiedefeld ging. Mit Renate an meiner Seite ging die Zeit schell um, aber die Kilometer zogen sich zum Schluss ganz schön. Bei dem Schild 70km konnte man Schmiedefeld schon sehen und ich wollte nicht glauben das es noch 2,7 km bis ins Ziel waren, aber man kann ja so einen Ort auch noch fast umrunden ehe man auf die Zielgerade einbiegt Ja die letzten Meter durch diesen Ort, mit dem freundlichen Empfang von Einheimischen und Finishern der verschieden Disziplinen war schon grandios und auch für mich ist im Moment: "das schönste Ziel der Welt in Schmiedefeld"

Der Rennsteiglauf in Zahlen:

  • Supermarathon: 72,7km von Eisenach (210m NN) nach Schmiedefeld (711 m NN) höchster Punkt 973 m NN. Anstiege gesamt 1469 m. Abstiege 969m
  • Marathon: 43,5 km von Neuhaus am Rennsteig nach Schmiedefeld
  • Halbmarathon:21,1 km von Oberhof nach Schmiedefeld
  • 17 km , 35 km und 50km Wandern oder Nordic Walking
  • Kinder und Junioren Crossläufe

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